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Oberuferer Christgeburtsspiel am 22. Dezember

Aufführung durch die Kumpanei aus dem Kollegium


19 Uhr im Saal


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Foto aus der Aufführung des Jahres 2011

Nach altem Brauch wird am Heiligen Abend zugleich auch der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies gedacht. Und so geht auch dem Christgeburtspiel sinnigerweise das Paradeis-Spiel voran. Der «alte Adam» wurde in den Sündenfall verstrickt; mit dem Christuskind wird nach den Worten des Apostels Paulus ein «neuer Adam» geboren, der ein neues geistiges Licht in der Menschheit entzündet. Das Spiel  hält sich eng an die biblische Schöpfungsgeschichte. Dort ist konsequent geschildert, wie das Schaffen zugleich mit einer Differenzierung, einem Scheiden in zwei Pole verbunden ist:

«Und Gott sprach/ Es werde Licht / Und es ward Licht/
Und Gott sah/ dass das Licht gut war./
Da scheidet Gott das Licht von der Finsternis/ und nennt das Licht/ Tag/ und die Finsternis/ Nacht.»

Indem Gott schafft, setzt er etwas aus sich heraus, das er anschauen kann: "Und Gott sah, dass es gut war." Bewußtsein heißt immer differenzieren, unterscheiden ­ ohne Finsternis könnten wir das Licht nicht erkennen. So schafft Gott in immer neuen Differenzierungen, in vielen Einzelheiten die ganze Welt.

Zum Schluss schafft er den Menschen nach seinem eigenen Bild "und setzt ihn in das Paradeis". Der Mensch ist damit Mittelpunkt und er ist zunächst eine Ganzheit: Er ist androgyn, "Mann­Frau".

Doch dann führt Gott die Schöpfung noch einen Schritt weiter: Aus dem ganzen (d.h. androgynen) Menschen nimmt er die Mitte (eine Rippe als Teil des Brustkorbs) und formt daraus Eva. Wer meint, die Schöpfungsgeschichte sei parteiisch und stelle die Schaffung der Frau als Teil des Mannes dar, möge die Bilder einfach unbefangen auf sich wirken lassen: aus dem ganzen, dem männlich­weiblichen Menschen entsteht Eva aus der Mitte ­ und Adam, dem nun aber etwas von der Kraft der Mitte fehlen muß. Man kann lange darüber nachsinnen und dann ahnen, wie tief und treffend männlich und weiblich dadurch charakterisiert werden! Durch die Einwirkung der Schlange führt dann aber der Mensch selbst die Schöpfung noch einen Schritt weiter: er ißt vom Baum der Erkenntnis ­ und weiß nun Böses und Gutes zu unterscheiden. In der Sprache, im Benennen, hat der Mensch die göttliche Schöpfung nacherlebt, nachgeschaffen. Nun hat er aber das Prinzip des Unterscheidens, des Ur­Teilens in sich selbst aufgenommen. Seine Augen werden aufgetan, der Mensch erwacht und sieht jetzt sich selbst im Gegensatz zu seinem Schöpfer und der Schöpfung: da schämt er sich seiner Nacktheit,  d.h. seiner Hüllenlosigkeit. Er hat neu ein Bewusstsein seiner Geschaffenheit, aber gleichzeitig auch seine göttlich-geistige Hülle verloren, die ihn bisher, allerdings unbewusst, getragen hat. Mit der Urteilsfähigkeit ist die Kindheit beendet, das Paradies verloren.

Ganz anders dagegen die Stimmung im folgenden Spiel, dem Christgeburtspiel. War das Paradeisspiel das Spiel der Zweiheit, der Ent­zweiung oder Ur­teilung, so ist das mittlere der Weihnachtsspiele nach der Dreiheit aufgebaut. Was zuvor entzweit wurde, wird nun von einer neuen Mitte verbunden oder erfüllt. Josef, der Mann geht durch ein Einsamkeitserlebnis, wenn er sich mit der Forderung Kaiser Augustus konfrontiert sieht, aber weder über äußere Güter noch Körperkräfte verfügt. Auch Maria kommt an ein Ende ihrer Kräfte auf dem Weg nach
Bethlehem durch Nacht und Kälte ­ und erst recht, als keine Herberge gefunden werden kann. Und sehr liebevoll, aber doch treffend, sind Mann und Frau charakterisiert, wenn Josef voraus-eilend "vergißt", dass Maria in ihrem Zustand nicht so schnell laufen kann... Zwischen beide, zwischen Mann und Frau hinein wird das Kind geboren. Wie aber geht nun der Mensch mit dem um, was in ihm als neuer Mensch geboren werden soll? Auch auf diese Frage gibt das Spiel in Bildern Antwort: Der eine, ein alter Freund, weist es ab: die alten Bande aus der Vergangenheit tragen nicht mehr ­ er ist mit anderen "Gästen" beschäftigt. Dem Nächsten ist es viel zu armselig, als dass er ihm Wohnung geben würde: schroff weist er die Bettelleute zurück. Und der dritte? Marias Klagen erweckt Mitleid in ihm ­ und er läßt die Geburt bei sich stattfinden ­ aber nicht da, wo er selbst wohnt (da ist schon alles "besetzt"!) ­ sondern da, wo dumpfes, gemüthaftes Seelenleben wohnt: im Stall, bei Ochs und Esel. Und wir? wo lassen wir die Geburt des neuen, zukünftigen Menschen in uns zu? Ist bei uns nicht auch alles besetzt, von der Geschäftigkeit des Alltags erfüllt? So lautet die Frage, die uns, höchst aktuell, die Wirte des Christgeburtspiels stellen.

Die Hirten dagegen gehen einen Weg und finden schließlich die Krippe. Derb sind sie, stehen ganz im Leben und die Frömmsten sind sie auch nicht. Aber sie suchen eben. Auch hier sind es drei und man möge beim Spiel einmal verfolgen, wie sie zusammenwirken: Zwei streiten und der dritte vermittelt dann jeweils. So wirkt ein Kompositionsprinzip durch das ganze Spiel hindurch. Nicht nur durch den Inhalt, sondern gerade durch diese Bewegung, die der Zuschauer ja mitmacht, wirken so die Spiele und dadurch sind sie echte Kunstwerke, oder in einem noch tieferen Sinn: sie führen uns in geistige Realitäten. Abschließend noch ein Gedanke, der doch sehr bedeutsam erscheint: "Wenn Crispus, der vierte der Hirten, sich auf den Weg machen will, fragt er: "Is weit dahin?" und bekommt scherzhaft dieAntwort: "Bis d' hikommst!"
Darin steckt tiefe Wahrheit für alle, die die Botschaft hören und sich auf den Weg machen wollen: unser eigener Lebenslauf wird dieses Ziel haben: Bis d' hikommst!

Rudolf Steiner Schule Aargau, Alte Bernstrasse 14, 5503 Schafisheim, Tel. 062 892 05 20, 

Farfallina, Alte Bernstrasse 14, 5503 Schafisheim, Tel. 062 892 05 31, 

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